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Revolutionslieder „Bread & Roses“

Hier können Sie die CD bestellen.

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„bread and roses“ von Gérard Krimmel © VG Bild-Kunst, Bonn 2020




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Am 05. Oktober 2020 erscheint „Bread and Roses“ als CD und auf allen digitalen Plattformen.
Revolutionslieder aus Europa, Süd- und Nordamerika und dem Nahen Osten.
Gespielt von Jo Ambros (Gitarre), Dieter Fischer (Bass) und Johann Polzer (Schlagzeug).
Produziert von Jo Ambros und Max Braun.
Mit kurzen Texten zu den einzelnen Songs von Martin Kaluza auf deutsch, englisch und spanisch und Bildern des Künstlers Gérard Krimmel aus dem Zyklus „Das letzte Mahl“




Bread and Roses
T James Oppenheim / M Caroline Kohlsaat

„Die Arbeiterin braucht Brot, aber sie braucht auch Rosen!“ 1911 bringt die Frauenrechtlerin und Gewerkschafterin Rose Schneiderman in einer Streikrede auf den Punkt, woran es Textilarbeiterinnen in New York mangelte: Brot – das steht für gerechten Lohn, erträgliche Arbeitszeiten und Sicherheit am Arbeitsplatz. Und Rosen – damit ist ein menschenwürdiges Leben außerhalb der Betriebe gemeint. Solidarität in den Gewerkschaften müssen sich die meist frisch eingewanderten Arbeiterinnen, die zum Teil wenig Englisch sprechen und als Lohndrückerinnen abgestempelt werden, erst erkämpfen. 
1912 steht Schneidermans Zitat auf den Plakaten des Streiks von 20.000 Textilarbeiterinnen in Lawrence (Massachusetts), der als „Bread and Roses Strike“ in die Geschichte der Arbeiterbewegung eingeht. James Oppenheim schreibt um den Slogan herum ein Gedicht, 1917 komponiert Caroline Kohlsaat die Musik. Manchmal wird Martha Coleman als Komponistin genannt – möglicherweise ist das dieselbe Person. Nach dem 2. Weltkrieg vertonen erst Mimi Fariña (Joan Baez‘ Schwester) und später Folksänger John Denver den Song erneut. Das Lied steht für zwei politische Bewegungen: Es wird in der Frauen- und in der internationalen Gewerkschaftsbewegung gesungen.

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We Shall Overcome

Anfang des 20. Jahrhunderts singen amerikanische Bergarbeiter während eines Streiks „We Will Overcome“. 1945 singen ihn Tabakarbeiterinnen in South Carolina, ebenfalls als Streiklied. Seit 1959 schließlich steht „We Shall Overcome“ vor allem für die amerikanische Bürgerrechtsbewegung, die, angeführt von Martin Luther King, friedlich für die Aufhebung der gesetzlich festgeschriebenen „Rassentrennung“ kämpft. Pete Seeger und Joan Baez machen den Song in der Popmusik bekannt.
Aber wer hat das Lied geschrieben? Meist wird die Hymne „I’ll Overcome Someday“ des Methodistenpredigers und Gospelkomponisten Charles Albert Tindley als Vorbild genannt. 2012 legte Musikproduzent Isaias Gamboa nahe, der Protestsong gehe auf die Hymne „If My Jesus Wills“ von Louise Shropshire zurück, die später mit Martin Luther King befreundet war. Sicher ist: Einer der bekanntesten Protestsongs überhaupt hat seinen Ursprung im Gospel – und er hat sich, bevor die ganze Welt ihn kennen lernte, mehrfach gewandelt.




Die Internationale
T Eugène Pottier / M Pierre Degeyter

Mitte Juni 1888 setzt sich Pierre Degeyter mit seinem Akkordeon hin, um einen Text zu vertonen. Ein Arbeiterlied soll es werden, und der Autor Eugène Pottier hatte ganz offensichtlich die Marseillaise im Kopf gehabt, als er den Text schrieb, denn die Versmaße gleichen sich auffällig. Bestellt ist ein Stück mit „lebendigem und mitreißendem Rhythmus“. Von einem Gewerkschafterchor wird es bei einer Versammlung der Zeitungsverkäufer in Lille am 23. Juli uraufgeführt. Die Erstauflage der Partitur erscheint in 6.000 heimlich gedruckten Exemplaren. Titel: „Die Internationale“. 
1896 wird das Lied zur offiziellen Hymne der Revolutionäre, drei Jahre später schließen sich alle sozialistischen Organisationen Frankreichs an. 1910 erklärt der Internationale Kongress von Kopenhagen es zum Lied aller Arbeiter, und 1919 erklärt Lenin die „Internationale“ zur Nationalhymne der Sowjetunion. 1928, vierzig Jahre nach seiner Entstehung, dirigiert Pierre Degeyter persönlich den Chor auf dem VI. Kongress der Kommunistischen Internationale in Moskau, mit Tränen in den Augen.




Eh Fi Amal يهفيأمل
T Fairouz / M Ziad Rahbani

Die Sängerin Fairouz ist im Libanon eine Institution. Generationen wuchsen mit ihrer Musik auf, die von Geist der Offenheit durchweht wird. Ein Star ist die stets geheimnisvoll unbewegt auftretende Diva in der ganzen arabischen Welt seit den späten 1950er Jahren.
Während des libanesischen Bürgerkriegs, der von 1975 bis 1990 dauert, bleibt sie bewusst neutral. Sie tritt nur im Ausland auf, wohnt jedoch weiter im Libanon. Ihre Musik versteht sie als ihr politisches Engagement – für den Frieden, für Verständigung und Hoffnung.
Den Song „Eh Fi Amal“ („Doch, es gibt Hoffnung“) nimmt Fairouz 2010 auf. Er handelt von einer erzwungenen Trennung zweier Liebender und der Hoffnung auf ein Wiedersehen. Im Nachbarland Syrien laufen Fairouz‘ Songs zwar in Assads Staatsmedien. Doch oppositionelle Radiosender machen „Eh Fi Amal“ bald zum Slogan syrischer Pazifisten.

Gitarre: Jo Ambros
Bass: Dieter Fischer
Drums: Johann Polzer

Texte: Martin Kaluza

Bilder: Gérard Krimmel

„Christa“ von Gérard Krimmel © VG Bild-Kunst, Bonn 2020


„Hupfauf“ von Gérard Krimmel © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

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2020, ich frage mich: wo ist das Politische Lied, wo sind die Protestsongs, wo ist die Revolution in der Musik? Anlass gibt es genug, Feindbilder auch, aber in der Breite äussert sich niemand. Geht es allen doch gut genug, oder sogar zu gut? Sind wir bequem geworden? Sind wir feige? Haben wir Angst? Oder sind wir einfach nur resigniert? Weil ein Lied eh nichts ändert? Trotzdem: wo ist dieser Geist, der die Menschen dazu brachte ihren Unmut in einem Lied zum Ausdruck zu bringen? Wer sind heute die Arbeiterinnen und Arbeiter, deren Lieder den Finger in die Wunde legen, Solidarität erzeugen und Kraft geben zu kämpfen? 

So widme ich mich vorerst den alten Songs, möchte sie auffrischen, ins Bewusstsein rücken, mich mit musikalischen Mitteln mit den verschiedenen aufständischen Strömungen und Bewegungen, den Revolutionen auseinandersetzen. Erforschen, wer sich wie wann wozu geäussert hat. Vielleicht auch, was es gebracht hat, wohin es geführt hat. 

Und natürlich super Musik machen. Die aber über die Hintertür zur Beschäftigung mit Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichheit und Moral, aber auch mit den grausamen und ungerechten Aspekten von Revolutionen anstiftet. 

Was ist die gesellschaftliche Funktion von Musik, was ist meine gesellschaftliche Aufgabe als Musiker? Bin ich nur Schmuck, Unterhaltung, trage zur Kontemplation bei? Oder muss ich mich als öffentliche Person äußern, positionieren, in Stellung bringen? Wie kann ich mich mit künstlerischen Mitteln mit gesellschaftsrelevanten Themen auseinandersetzen? 

Ausgelöst wurde die Beschäftigung mit diesen Fragen durch den Gemälde-Zyklus „Das letzte Mahl“ des Künstlers Gérard Krimmel, der sich darin mit Aufständen und Revolten von den Deutschen Bauernkriegen im 16. Jahrhundert über die Französische Revolution bis hin zu den streikenden Frauen in den Textilfabriken New Yorks 1912 auseinandersetzte.

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