End of the Rainbow / Helen Schneider 1

Eine schöne Kritik aus der Kleinen Zeitung vom 28. April 2014:

Eine Achterbahn der Stimmungen und Gefühle

Von Pillen und Promille gezeichnet: Höchst erfolgreiche Premiere von Peter Quilters „End of the Rainbow“ über die letzten Wochen von Judy Garland am Stadttheater Klagenfurt.

Fragil, ganz allein sitzt sie auf dem Bühnenboden und singt, nur vom Klavier begleitet, „Over the Rainbow“. Es ist das Lied aus dem „Zauberer von Oz“, mit dem Judy Garland im Alter von nur 17 Jahren berühmt wurde. Und es ist ziemlich berührend, aber auch deprimierend zu erkennen, was unmäßige Alkohol- und Tablettensucht aus dem einstigen Hollywood-Star der 1930er- und 1940er-Jahre gemacht haben. „Jedes Mal, wenn ich Wasser trinke, habe ich das Gefühl, etwas fehlt“, sagt sie. Deshalb spült sie die runden Problemlöser auch nur mit Hochprozentigem hinunter.

Peter Quilter hat die letzten Wochen vor ihrem Tode im Jahre 1969 im Alter von nur 47 Jahren in das Theaterstück „End of the Rainbow“ (UA 2005 in Sydney) gepackt, das von zehn ihrer bekanntesten Songs unterfüttert wird und jetzt am Stadttheater Klagenfurt seine erfolgreiche österreichische Erstaufführung erlebt. Der amerikanische Broadwayautor zeigt darin die Versuche von Judy Garland, im Zuge einer Comeback-Konzertserie in London die Illusion einer großen Diva aufrechtzuerhalten. Er setzt ihr kein glänzendes Denkmal, sondern zeigt ein von Pillen und Promille gezeichnetes, menschliches Wrack.

Feinsinnig

Dies, so wie auch sein sarkastischer Humor, ist bei Aron Stiehl bestens aufgehoben. Dessen Regie setzt auf feinsinniges Herausarbeiten der Zerrissenheit der drei Protagonisten und legt deren Charaktere vielschichtig an. Obwohl Stiehl ein sicheres Händchen für das Timing von Pointen hat, kann er gewisse Schwächen des Textes (Deutsch von Horst Johannig) in puncto Langatmigkeit und seichter Klischeehaftigkeit nicht kaschieren.

Am Klavier in der weißen Hotel-Suite (Bühne: Jürgen Kirner) agiert ihr treuester Freund, der homosexuelle Pianist Anthony. Alexander Lutz spielt tatsächlich selbst ausnehmend gut Klavier und überzeugt in der Darstellung eines hilflosen Realisten, der letztendlich daran scheitert, Judy zurück in die Realität zu ziehen. Seinen Gegenpart Mickey, Judys sehr viel jüngerer Manager und Verlobter Nummer fünf, lotet Tim Grobe gekonnt zwischen sorgendem Liebhaber und skrupellosem Geschäftsmann aus.

Im Mittelpunkt des Abends steht aber Helen Schneider als Judy: Mit ungeheurer Bühnenpräsenz, divenhaftem Gehabe und einer Stimme mit enormer Power wie auch reichen Nuancen gibt sie einen abgehalfterten Showstar und zeichnet ein fragiles Porträt. Die US-Schauspielerin und Sängerin wechselt mühelos auf der Klaviatur der Stimmungen von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt und torkelt auch wie ein ferngesteuerter, willenloser Zirkusgaul über die Bühne. Eine tolle Leistung!

Wie eine Big Band klingen die exzellenten Musiker des KSO, die unter der Leitung von Mitsugu Hoshino Judy jazzig und swingend begleiten. Im Hintergrund der Drehbühne postiert, werden sie immer wieder hereingedreht und zaubern auch optisch eine klassische Show-Atmosphäre.

Stehende Ovationen!